Long Shot (2019) – Filmkritik

Ein Film mit Seth Rogen und Charlize Theron in der Hauptrolle? Dazu noch eine romantische Komödie mit politischem Setting? Das alles klingt doch etwas zu zusammengewürfelt und lächerlich, unwahrscheinlich, dass das funktioniert. Das dachten sich wohl auch Autor Dan Sterling (DAS INTERVIEW) und Regisseur Jonathan Levine (50/50 FREUNDE FÜRS ÜBERLEBEN) und geben ihrem neuen Projekt LONG SHOT den selbstironischen Untertitel UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH. Nachdem der Film in den USA einen moderaten Start geschafft hat, soll es ab dem 20.06.2019 auch in den deutschen Kinos gut laufen.

Inhalt

Mit seinen kompromisslosen und kritischen Recherchen hat sich der Journalist Fred Flarsky (Seth Rogen) in der Branche bisher nicht viele Freunde gemacht. Obwohl er zu den Besten seines Fachs gehört, verliert er nach einer Firmenübernahme seinen Job als Investigations-Journalist. Für Fred bestätigt sich damit nur noch mehr, dass der wahre Journalismus vom Aussterben bedroht ist. Frustriert und geschlagen, lässt sich Fred treiben. Erst als es auf einer Party zu einer überraschenden Begegnung mit seiner Jugendliebe Charlotte Field (Charlize Theron) kommt, ergibt sich für Fred eine neue Chance und neuer Antrieb. Die frühere Schulsprecherin Charlotte hat es weit gebracht. Als Außenministerin der USA ist sie eine der mächtigsten und einflussreichsten Frauen der Nation. Die ambitionierte Politikerin möchte Dinge bewegen und zielt dafür auf das höchste Amt des Landes: Die Präsidentschaft. Hierfür möchte sie sich von den üblichen Kandidaten abheben und bietet Fred einen Job als Schreiber an. Dass der bissige und idealistische Fred hierbei schnell auf politische Mauern stößt, ist wohl oder übel vorprogrammiert.

Alles sicher gespielt

Seth Rogen assoziiert man im ersten Moment meistens mit den gleichen drei Gedanken: ein schreckliches Lachen, überdurchschnittlicher Marihuana Gebrauch und Humor unter der Gürtellinie. Immer mal wieder überraschte der Schauspieler und Produzent hingegen auch mit ernsten Themen. Diese trotzdem weiterhin humorvollen und sympathisch verpackten Geschichten hat Rogen mittlerweile perfektioniert. Dass es dabei auch immer wieder leicht politisch werden kann, zeigte Rogen bereits in der Komödie DAS INTERVIEW. In einem Film um die amerikanische Außenministerin sollte man also davon ausgehen, dass es auch den ein oder anderen Seitenhieb gegenüber dem aktuellen politischen Kurs der USA gibt. Tief politisch wie ein VICE wird der Film trotzdem nie. Im Herzen bleibt sich Seth Rogen treu und verlässt den Pfad der leichten und romantischen Komödie nicht. Auch das Schauspiel von Rogen bleibt in den üblichen Bahnen eines trotteligen und idealistischen Kiffers. Nur dass dieser jetzt auch zu ein paar Themen eine klare Meinung vertritt und ausspricht. Auch von der hervorragenden Charlize Theron sollte man in diesem Film keine neuen Höchstleistungen erwarten, ihre Figur gehört nun auch nicht zu den herausforderndsten Projekten der erfahrenen Schauspielerin. Auf welchem Niveau sich Frau Theron üblicherweise bewegt, bewies sie erst letztes Jahr in ganz anderen Titeln wie ATOMIC BLOND und TULLY. Umso mehr spürt man daher die Leichtigkeit und den Spaß, den die Schauspielerin hier beim Dreh gehabt haben muss. Gekonnt und handwerklich überlegen spielt sie Außenministerin Charlotte Field von der ersten Minute überzeugend. Schön sind hierbei die wenigen Momente in denen auch Frau Theron lustig sein darf. Hier wird ein klarer Kontrast zu dem sonst kühlen und berechneten Wesen der Außenministerin gebildet. Das macht sie und den Film dann nur umso sympathischer.

The Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich - Szene
Bob Odenkrik & Charlize Theron //  © Studiocanal

Stimmiger Humor

Diese Euphorie überträgt sich von Minute eins auch auf den Zuschauer. Das Drehbuch nimmt sich selbst nicht zu ernst und lässt die vorhersehbare Geschichte zügig voranschreiten. Wenn man sich darauf einlässt und gegenüber Seth Rogen und seinem Humor nicht abgeneigt ist, trifft LONG SHOT besonders in Sachen Witz fast immer das richtige Timing. Situationskomik und gekonnt geschriebene Dialoge, die nicht zu sehr aufgesetzt wirken, tragen dazu bei, dass die üppigen 125 Minuten Laufzeitschnell verfliegen. Kleine Highlights sind unter anderem die Gespräche zwischen Fred und seinem Kumpel Lance. Gespielt von O’Shea Jackson Jr.(GODZILLA 2). Auch eine diplomatische Verhandlung von Frau Field bezüglich einer politischen Geiselnahme entpuppt sich als menschliche und lustige Situation. Dazu gibt es immer wieder überraschende Gastauftritte, die den Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Das liegt wohl auch an der hochkarätigen Besetzung der Cameos: Bob Odenkirk (BETTER CALL SAUL) und Andy Serkis (PLANET DER AFFEN) sind hier besonders zu nennen. Unterbrochen wird die heitere Stimmung nur durch die anfangs erwähnten politischen Seitenhiebe. Diese wechseln zwischen direkter und klarer Kritik am politischen System und unterschwelliger Satire. Zu mehr als oberflächliche Phrasen und sicheren Statements aller „Rettet die Natur!“ lässt sich LONG SHOT dann aber doch nicht hinreißen.

The Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich - Szene
Seth Rogan & O’Shea Jackson Jr. // © Studiocanal

Keine Überraschungen

Negativ fällt der durchwachsene Soundtrack des Films auf. Dabei beweisen Seth-Rogen-Filme sonst ein gutes Gespür für musikalische Untermalung und gekonnte Songauswahl. In LONG SHOT wird hingegen, dem aus den 80er und 90er Jahren entsprungene Soundtrack, zu inflationär für Übergänge und Zeitsprünge missbraucht. Es vergehen keine zwei Minuten ohne dass ein neuer Song angespielt wird. Bringen diese im ersten Moment noch einen gewissen Nostalgiefaktor, so überladen wirkt der Soundtrack bereits nach dem ersten Drittel des Films. Hier macht es sich Regisseur Jonathan Levine zu einfach seine Geschichte zusammenzuhalten. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Das führt direkt zum nächsten Problem: Die Geschichte des Films ist wie bereits erwähnt dünn, wenig glaubwürdig und völlig vorhersehbar. Etwas mehr Überraschungen hätte der Film vertragen können. Anbieten würde sich hierbei zum Beispiel das letzte Drittel. Der Zuschauer bekommt lediglich das allseits bekannte Hollywood-Märchen präsentiert, welches natürlich möglich, aber nun wirklich sehr unwahrscheinlich ist.

Fazit

In Sachen Humor sieht es dieses Kinojahr bisher sehr leer aus. In diese Lücke springt LONG SHOT gekonnt hinein. Ein solider Cast und das richtige Timing für Humor lassen den Zuschauer gut unterhalten aus dem Kino gehen. Trotz des interessanten Settings bleibt die Geschichte durchgehend banal. Wer also Lust auf gute Unterhaltung mit kleinen politischen Botschaften ohne zu viel Tiefgang hat, sollte sich mit LONG SHOT gut verstehen.

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